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Plötzlich Remote: Online-Seminare erfolgreich interaktiv gestalten

Mittwoch, 27.5.2020

In seinen Seminaren vermittelt das Clean-Code-Team der viadee seit Jahren Praktiken und Prinzipien für erfolgreiche Softwareentwicklung. Immer nah an unseren Kund*innen und mit einem hohen Anteil auch unkonventioneller Interaktion. Durch die Corona-Pandemie vor die Herausforderung gestellt, diese Intensität in ein Online-Format zu übertragen, entwickelte das Team Methoden. Ein Erfahrungsbericht.

Clean-Code-Webinar

Seit mehreren Jahren vermitteln wir als Clean-Code-Team der viadee erfolgreich die Prinzipien und Praktiken des „Clean Code Development“ an unsere Kolleg*innen wie auch an unsere Kund*innen. Mit einem klaren Fokus auf die praktische Umsetzung und einem hohen Anteil an interaktiven Elementen haben wir unsere Seminare stetig weg vom klassischen „Frontalunterricht“ hin zu einer gemeinsamen Lernerfahrung für Teilnehmende wie Coaches entwickelt. Dabei nutzen wir bewusst nicht-technische/nicht-digitale Aktivitäten, unter anderem Serious Games, um Inhalte erfahrbar zu machen und die Teilnehmenden zu aktivieren.

Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung notwendigen Maßnahmen sind für ein Seminar in dieser Form eigentlich ein „Showstopper“. Dennoch wollten wir unseren Kund*innen weiterhin unsere Erfahrungen und Ansätze für erfolgreiche Softwareentwicklung vermitteln und entsprechende Anfragen lagen uns vor. Somit war schnell klar: Eine Online-Version muss her. Und zwar kurzfristig. Challenge accepted. Abseits von der Wahl der Technik – hier legten wir uns aufgrund des Break-out-Room-Features früh auf zoom als Webinar-/Seminar-Tool fest – manifestierten sich bald verschiedene Herausforderungen für unser Unterfangen.

Entdecke die Möglichkeiten: Moderieren in einem virtuellen Raum

Die Möglichkeiten, in einem Online-Seminar eine Verbindung zu den Teilnehmenden herzustellen, sind deutlich eingeschränkt. Auch bei einem stetigen Videostream – alle Teilnehmenden zu bitten, dass sie ihre Kamera aktivieren, ist aus unserer Sicht ein Muss –  ist die Kommunikation deutlich weniger "direkt" und viele Ebenen (Gestik, Mimik, Distanz, Lautstärke, Körperhaltung …) funktionieren anders als im persönlichen Kontakt oder fallen ganz weg. Einen Schritt in den Raum machen, um "abdriftende" Teilnehmende wieder einzubinden, Blickkontakt aufnehmen, um zu Feedback zu animieren, der persönliche Klatsch in der Pause usw.  – all das ist online nicht in der gewohnten Art und Weise möglich.

Clean Code Kompakt Online-Seminarraum2

Also entschieden wir uns, einen Raum für solche Möglichkeiten auch virtuell zu schaffen. Eine zweite USB-Kamera auf einem Stativ, ein möglichst großer Monitor im Raum, ein beweglicher Flipchart-Ständer und eine mobile Metaplanwand schufen die Voraussetzungen, auch in einem Online-Seminar so zu agieren wie vor Ort: Mit der zweiten Kamera und einer gleichzeitig geteilten Powerpoint-Präsentation streamten wir die Vortragsteile unseres Seminars wie bei einem Kongress. Ich hatte als Vortragender so die Möglichkeit, mich frei zu bewegen und Akzente wie gewohnt zu setzen. Dazu gehören auch spontane Einschübe, um Dinge am Flipchart zu erklären oder Ideen der Teilnehmenden auf einer Metaplanwand aufzunehmen. Dabei gilt: Alles, was den Vortrag für die Teilnehmenden lebendiger macht, ist erlaubt.

Über eine längere Zeitspanne zu einem leeren Raum zu sprechen, erfordert zugegebenermaßen etwas Übung, hier helfen Generalproben. Hinter die Kamera geklebte Gesichter auf Post-it-Zetteln helfen zudem, beim Vortragen in die Kamera zu gucken und so die Teilnehmenden „direkt“ anzusprechen.

Divide & Conquer: Ein Online-Seminar passend planen

Einhergehend mit den eingeschränkten Optionen, als Coach und Teilnehmer*in in Kontakt zueinander zu treten, verringert sich die Aufmerksamkeitsspanne in der Gruppe. Viele Reize, die uns sonst "bei der Sache" und damit fokussiert halten, fallen in einem Online-Seminar weg beziehungsweise werden durch Reize in einer anderen Umgebung ersetzt. Vielleicht arbeiten die Teilnehmenden nicht in ihrer gewohnten Arbeitsumgebung und somit nicht in einem Raum, dessen Zweck sonst Schulungen sind und der so die passende Stimmung zum Lernen setzt. Die tägliche Arbeit lauert an jeder Ecke. Diese Ablenkung führt dazu, dass die ohnehin überschätzte Zeitspanne, in der wir passiv Inhalte aufnehmen können, deutlich sinkt.

Um dem zu begegnen, reduzierten wir die sowieso bereits kurzen (maximal 45 Minuten langen) Blöcke mit „Frontalvorträgen“ nochmal drastisch und schnitten sie in Einheiten zu 20 bis maximal 25 Minuten, auf die dann jeweils interaktive Elemente wie praktische Übungen folgten. „Divide & Conquer“ ist also auch hier wieder eine bewährte Lösungsstrategie. Diese setzten wir auf allen Ebenen um: Aus einem zweitägigen Präsenzseminar wurden so insgesamt 6 Sessions:

  • Briefing (1 1/2 Stunden):
    • Vorstellungsrunde
    • Vorstellung der Agenda
    • Aufnahme von Erwartungen & spezifischen Fragen
    • Technik-Setup (es hilft, eine Person zu bestimmen, die allen anderen bei Problemen mit der Technik zur Seite steht)
    • Mission Statement & thematisches Quiz zur Einstimmung
  • 4 inhaltliche Sessions (jeweils 4 Stunden):
    • Vermittlung der Inhalte
    • 50 % Übung und interaktive Elemente
    • optionale Aufgaben zur Vertiefung im Nachgang
    • Retro zum Abschluss jeder Session
  • Debriefing (1 1/2 Stunden):
    • Fragen zur praktischen Umsetzung des Gelernten im Alltag
    • Retrospektive (DAKI)
    • Abgleich der Erwartungen
    • Ausblick auf mögliche weitere Missionen

 

Diese flexible Planung schafft zusätzlichen Raum zur Nachbetrachtung der Inhalte und zur Umsetzung des Gelernten im Alltag. Das Debriefing sorgt zudem dafür, dass Teilnehmende mit offenen Fragen oder solchen, die erst im Alltag auftreten, nicht alleine gelassen werden.

Wir sind doch nicht zum Spaß hier? - Mit Serious Games und interaktiven Elementen Lernerfahrungen schaffen

Für die praktische Erfahrung der Inhalte setzen wir auf eine Mischung aus technischen Übungen und Serious Games. Für die Übungen mussten wir konzeptionell wenig ändern: Durch die Break-out-Room-Funktion von zoom ist es problemlos möglich, Teilnehmende für die Übungssessions in private Pair-Programming-Räume zu setzen. Coaches können dann bei Bedarf hinzugerufen werden. Zu unseren Lessons Learned gehört aber auch, dass es sich lohnt, auch hier wie im Präsenzseminar zu agieren und sich proaktiv auf eine Tour durch die Breakout-Sessions zu begeben. Auch Sessions mit mehr als zwei Teilnehmenden sind gut machbar, man kann also die ein oder andere Aufgabe gut als „Mob“ bewältigen.

Für unsere Serious Games, also Lernspiele, die Methoden und Prinzipien oder Aspekte von diesen herausgreifen und gezielt erfahrbar machen, mussten wir uns deutlich mehr anstrengen, um sie in das Format Online-Seminar zu überführen. Die Stärken dieser Elemente sind die physische Aktivität, die Dynamik von Interaktion in der Gruppe und das Aufbrechen klassischer Seminarformen.

1000Uses_BinderClip

Dies online herzustellen, ist eine hohe Kunst und erfordert ein Umdenken: Die direkte Überführung der Spielmechanik in digitale Form ist der nahe liegende Ansatz, funktioniert aber oftmals nicht oder nur eingeschränkt. Zielführender ist es, sich klar zu machen, was vermittelt werden soll, und dann gegebenenfalls neue Wege mit digitalen Mitteln zu finden. Anweisungen müssen für Remote Serious Games deutlich genauer sein, damit Rückmeldungen aus der Gruppe koordiniert erfolgen können und sich Teilnehmende nicht „ausklinken“. In unserem Clean Code Kompakt Online-Seminar spielen wir unter anderem Varianten von Count To 33, Multi-Tasking-Naming-Game, 1000 Uses, Silent Post sowie weitere Clean-Code-spezifische Formate.

Count-to-33_Silent-Post


Mission Clean Code: Mit Storytelling eine nachhaltige Verbindung schaffen

Die Frage nach den Zielen eines Seminars ist oftmals schnell beantwortet: Prinzipien für „gutes“ Programmieren lernen, Best Practices mitnehmen, Wissen auffrischen. Diese Erwartungen explizit zu formulieren und regelmäßig zu prüfen, ob sie erfüllt werden, ist unabdingbar. Um die Teilnehmenden aber wirklich zu aktivieren, ist es notwendig, konkrete Verbindungen zu schaffen: zwischen den Inhalten und dem Alltag der Teilnehmenden und zwischen den Teilnehmenden selbst. Ein „Mission Statement“ (was wollen wir gemeinsam hier erreichen?) ist ein erster Schritt, um diese Verbindung herzustellen.

Wir nutzen in unserem Clean-Code-Kompaktseminar zusätzlich das Element des Storytellings: Als Team von Astronaut*innen begeben sich unsere Teilnehmenden auf eine etwas in die Jahre gekommene Raumstation. Dieses Legacy System zu warten und wieder flott zu machen, ist über alle Sessions hinweg die Aufgabe – sowohl in der Übung als auch in den Vortragsteilen. Die Teilnehmenden erkunden so Schritt für Schritt die Raumstation mit ihren Modulen und entwickeln im besten Fall am Ende den Ehrgeiz, diese wieder „richtig“ instand zu setzen. Abseits der Übungen in den Sessions haben wir dafür noch diverse Extra-Aufgaben und Easter Eggs im Code hinterlassen. Force Feedback: Online-Seminare bedarfsgerecht zu steuern, ein Gespür dafür zu entwickeln, ob Teilnehmende aktiv zuhören, sich wohl oder unwohl fühlen, Fragen, Anmerkungen oder Einwände haben, ist in einem Online-Seminar deutlich schwieriger. Online fehlt uns als Coaches ein Teil unserer “Antennen”. Feedback wird zumeist auch nur dann übermittelt, wenn es aktiv eingefordert wird.

Feedback-Spaßfaktor-und-Praxisrelevanz

Feedback-Lerntempo-und-Lerneffekt

 

Daki-RetroUnd damit sind wir auch schon bei einem Lösungsansatz: Stetiges Einfordern von Feedback ist ein Schlüssel, um Online-Seminare bedarfsgerecht zu steuern. Das beginnt mit kurzen verbalen Rückfragen, auf die im Idealfall per Handzeichen geantwortet wird, über Abstimmungen zu inhaltlichen Fragen bis hin zu komplexeren Tools wie Mentimeter, um Stimmungen und konkrete Bewertungen in einem Koordinatensystem einzuholen. Am Ende der Sessions sind kurze Retrospektiven ein Muss. Hier empfiehlt sich die "Sailboat-Retro", um Risiken und Verbesserungsvorschläge für die nächste Session aufzunehmen. Die abschließende Debriefing-Session öffnet den Raum für die Reflexion des Gelernten im Alltag und eine Einschätzung des Seminars mit ausreichend zeitlichem Abstand. So wird niemand – Coaches und Teilnehmende – mit offenen Fragen alleine gelassen.

 

Im Netz ohne doppelten Boden: Unser erstes Clean Code Kompakt Online-Seminar

Nach intensiven Vorgesprächen und kurzen Generalproben war es dann Anfang April so weit: Mit insgesamt 12 Entwickler*innen startete unser erstes Clean Code Kompakt Online-Seminar „vor vollem Haus“. Und nach Abschluss der 6 Sessions können wir ein rundum positives Fazit ziehen. Das Feedback war durchgängig sehr gut und wir konnten noch einige Punkte ausmachen, an denen wir das Seminar noch etwas runder gestalten werden. Am Ende steht als Ergebnis: Wir nehmen die Online-Variante in unser reguläres Portfolio mit auf und freuen uns darauf, demnächst noch mehr Leuten vermitteln zu können, wie wir erfolgreich Software entwickeln.

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Björn Meschede

Björn Meschede

Björn Meschede ist Senior Berater und seit 2008 bei der viadee IT-Unternehmensberatung. Gestartet als Software Engineer mit technischem Schwerpunkt ist er heute vornehmlich als Business Analyst und Projektleiter im Einsatz. Darüber hinaus ist er einer der Themenverantwortlichen für den Bereich Clean Code Development bei der viadee.

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