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Erfahrungsbericht: Systemmigration bei einer Versorgungskasse

Montag, 11.10.2021

systemmigration

Bei Migrationen ist die jahrzehntelang gewachsene Komplexität eine große Herausforderung. Wer die wichtigsten Erfolgsfaktoren kennt, behält die Oberhand. Lesen Sie ein Interview mit einem unserer migrationserfahrensten Kollegen, Ronald Walther.


Ronald, in den vergangen zwei Jahren habt ihr ein Migrationsprojekt für eine Versorgungskasse gestemmt. Die Beamtenversorgung einer kommunalen Versorgungskasse hat sich von ihrem Legacy-IT-System getrennt und ist mit allem mit allen berechnungsrelevanten Daten umgezogen in das System der Kommunalen Versorgungskassen Westfalen-Lippe, kvw.
Was sind allgemein bei Migrationsprojekten die größten Herausforderungen?

Sicher ist branchenabhängig gelegentlich die zu bewältigende Datenmenge eine Herausforderung. Betriebszeiten, SLAs, Tages- und Nachtgeschäft müssen aufrechterhalten werden, da bleibt nur wenig Zeit für Migrations-Downtimes. Migrationsnächte können jedoch lang werden, wenn Unerwartetes auftritt.
Fachspezialisten auf beiden Systemseiten sind selten unterbeschäftigt. Somit ist es immer eine Herausforderung diese zur gegebenen Zeit und Priorität einzubinden. Ist dies nicht gegeben, geraten Zieltermine in Gefahr. Technisches Wissen ist schneller erarbeitet oder im Zweifel eingekauft, Fachwissen lässt sich nicht so schnell und zum richtigen Zeitpunkt „beschaffen“.
Ebenfalls hinderlich bei Migrationsprojekten ist eine unklare Abgrenzung der Aufgaben im Vorfeld, also „Wer was wann macht und was nicht“. Das Gleiche gilt für die thematische und fachliche Abgrenzung: Welche Daten werden übernommen und welche ggf. Sonderfälle werden ausgelassen oder verschoben? Die schlimmsten Enttäuschungen resultieren aus der Nichterfüllung unausgesprochener Erwartungen.
Jedes System hat unabhängig von Alter oder Reifegrad eine Historie und auch technische Schulden im Zielsystem. Wird mit diesen Schulden nicht ehrlich umgegangen, indem diese angegangen werden, folgt auf eine Migration eine herbe Enttäuschung.
Nur allzu menschlich ist das Empfinden der im abgebenden System beteiligten Mitarbeiter:innen, einen Verlust ertragen zu müssen. Das abgebende System wurde gehegt und gepflegt, es ist oft viel Herzblut „eingeflossen“. Dieses Empfinden kann sich auf die Motivation aller Beteiligten niederschlagen.


Du hast in Deiner Karriere schon das eine oder andere Migrationsprojekt begleitet. Welche Besonderheiten gab es bei diesem Mal?

Bei den sonstigen Migrationsprojekten in der Vergangenheit stand mehr das Migrationsvolumen im Vordergrund, weniger die Komplexität der Transformationen. Das war diesmal anders. Dieses Mal stand die hohe Anzahl von Superspezialsonderfällen im Vordergrund. Die Datenmenge war nicht so hoch.
Aufgrund des schon betagten (ca. 30 Jahre), aber ausgereiften Quellsystems waren doch einige nur selten genutzte Funktionalitäten in Vergessenheit geraten und haben bei der Transformation für die eine oder andere Überraschung gesorgt. Damit musste mit „kriminalistischer Spürnase“ umgegangen werden.
Neben der technischen Herausforderung gab es auch eine organisatorische Änderung, sodass Schlüsselpersonen (Key-Knowhow-Träger) im Projekt nicht wie gewohnt zur Verfügung standen. Neues Wissen rund um Basis-Themen musste parallel zum Migrationsprojekt organisiert und aufgebaut werden.


Die migrierten Daten sind mittlerweile in Betrieb und es herrscht Zufriedenheit. Was waren die Erfolgsfaktoren?

Durch eine intelligente Planung wurden die Risiken der Migration deutlich begrenzt. Es wurde der Ansatz einer phasenweisen Migration gewählt, der die Belastungen deutlich in Grenzen gehalten hat. Weniger Stress bedeuten eben auch weniger Fehler, Nacharbeiten und Ärger. Es wurde nicht zu viel frühzeitig versprochen, sondern realistisch geplant. Das hat sich ausgezahlt. Das Projekt konnte vor Plan und im Budget abgeschlossen werden. Das ist allgemein in IT-Migrationsprojekten eher nicht der Regelfall.
Mit Motivation, Perspektive und dem Willen, das Projekt erfolgreich zu bewältigen, konnte sehr viel erreicht werden. Somit wurde das Empfinden von Verlust deutlich gemindert.
Wir wissen aus Erfahrung, dass verlässliche, durchentwickelte Migrationssoftware von Vorteil ist. Es macht Sinn, Routineaufgaben so weit zu automatisieren (mit einer gewissen Investition), dass diese nur minimale Analyse- und Korrekturzeit kosten. Es bleiben immer genug komplexe Aufgaben übrig.
Ebenfalls hilfreich waren kurze Kommunikationswege und schnelle, klar nachvollziehbare Entscheidungen auf allen Ebenen. Insbesondere, als ein unerwartetes, globales Ereignis eintraf, war schnelles und entschlossenes Handeln erforderlich. In so manchem Projekt in meiner Karriere gab es auch schon Unerwartetes wie Streik oder ausgefallene Klimaanlagen. Der erfolgreiche Abschluss der Migration im Jahr 2020 ist wirklich etwas Einmaliges.


Was waren Deine Aufgaben in dem Migrationsteam?

Meine Aufgaben waren:

  • Die Daten, welche aus einer Db2 Datenbank extrahiert wurden, mittels eines Loader Frameworks in eine Oracle Datenbank zu importieren.
  • Zahlreiche technische und fachliche Transformationen zu bewerkstelligen und sicherzustellen, dass nichts dabei verloren geht.
  • Viele Transformationsvorschriften abzustimmen und zu implementieren und dabei das eine oder andere nützliche Tool zu entwickeln, um Prozesse zu verschlanken und zu beschleunigen.
  • Eine Oracle PL/SQL Migrationssoftware zu entwickeln, um die transformierten Quelldaten aufzubereiten und in das Zielsystem zu überführen.
  • Analysen zu erstellen, um die erzeugte Datenqualität zu prüfen.
  • Die Migration durchzuführen und zu dokumentieren.

Danke Ronald für die spannenden Einblicke ins Projekt!

Stehen Sie ebenfalls vor der Herausforderung einer Migration oder möchten mehr über das Thema Legacy IT erfahren? Machen Sie den Test und ermitteln Sie Ihren Legacy Index.

Wir freuen uns auf einen Austausch mit Ihnen!

 


Webinar: Komplexe Systemmigration – Schritt für Schritt im laufenden Betrieb mit verteilten Teams

Wann? 09. November, 16:00 bis 17:00 Uhr
Was? Stefan Wamhoff, Teamleiter IT-Systemanalyse bei den Kommunalen Versorgungskassen Westfalen-Lippe (kvw), berichtet über die Herausforderungen eines zweijährigen Migrationsprojektes bei der kvv.

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Ronald Walther

Ronald Walther

Ronald Walther ist Unternehmensberater bei der viadee und hat 29 Jahre Erfahrungen in der Einführung, Weiterentwicklung und dem operativen Betrieb von oracle basierten Systemen gesammelt. Sein Branchenschwerpunkt sind die Telekommunikation, Banking und das Behördenumfeld.